Erinnerungslandschaft
Erinnerungslandschaft

Das Mahnmal für alle Opfer nationalsozialistischer Verbrechen in Stadt und Landkreis Nienburg wurde geschändet!

Jedes Jahr wird in Deutschland unter den rechtsextremistischen und rassistischen Straftaten auch eine hohe Zahl an Schändungen von Gedenkstätten, Friedhöfen, einzelnen Gräbern und vor allem Mahnmalen verzeichnet. Auch in Nienburg hat es in den letzten Jahren immer wieder Angriffe auf Denkmäler, Erinnerungstafeln, jüdische oder Sinti-Gräber gegeben, zumeist Schmierereien oder Beschädigungen, manchmal auch Diebstahl von Grabschmuck, Kränzen oder Blumen. In der Nacht vom 18. zum 19. April 2021 wurde ein solcher Anschlag auf das Nienburger Mahnmal für alle Opfer nationalsozialistischer Verbrechen in Stadt und Landkreis Nienburg verübt. Verschiedene Hinweise und die Nähe zum 20. April, einem Tag, der schon wiederholt in Nienburg und anderswo Neonazis und ihre Anhänger zu solchen Straftaten motiviert hat, legen auch in diesem Fall nahe, dass die Täterschaft in ihrem Umkreis zu suchen ist. 

Das Mahnmal am Tag seiner Einweihung, 8. November 2020.

Mit vielen Spenden von Bürgerinnen und Bürgern, Rats- und Kreistagsmitgliedern, Firmen und Stiftungen finanziert, ergänzt und vervollständigt das Nienburger Mahnmal die Gedenkanlage auf der Bastion Hoffnung des Nienburger Weserwalls. Am 8. November 2020 wurde es unter Beteiligung von Kultusminister Grant Hendrik Tonne durch Bürgermeister Henning Onkes der Öffentlichkeit übergeben. Das Mahnmal wurde zu einem Anziehungspunkt für viele Menschen, davon zeugen alltäglich niedergelegte Blumen. Dass das Mahnmal in kurzer Zeit einen Platz im Selbstverständnis von Stadt und Landkreis erworben hat, zeigen auch die Nachrichten und Anrufe, die der Arbeitskreis Gedenken in den letzten Tagen angesichts der Mahnmalschändung von Bürgerinnen und Bürgern erhalten hat. Die Menschen bekunden ihre Entrüstung, Bestürzung und Solidarität bei der Abwehr dieser brutalen Verletzung des gesellschaftlichen Friedens.

Blumen, in Solidarität am geschändeten Mahnmal niedergelegt.

Spontan haben die Bundestagsabgeordneten Katja Keul und Marja Liisa Völlers ihre Unterstützung für eine öffentliche Diskussion des Vorfalls und ihrer Konsequenzen zugesagt. Darüber freuen wir uns sehr. Unser Mitglied Katja Keul sagt dazu: 

 

"Dieser Akt der Aggression gegen das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus muss uns alarmieren.  Soviel Hass und Respektlosigkeit darf auf keinen Fall verharmlost werden. Für die Verfolgung der Täter sind die Ermittlungsbehörden zuständig.  Zur Verteidigung unserer Demokratie, die aus den Trümmern einer menschenverachtenden Diktatur gewachsen ist, sind wir alle, ist jeder einzelne von uns aufgerufen. Frieden, Recht und Freiheit sind keine Selbstverständlichkeit, und das zersplitterte Mahnmal verdeutlicht dies auf drastische Weise. Wo immer Rechtsextreme unsere demokratische Gesellschaft zerstören wollen, müssen wir uns dem entgegenstellen."

  

Es ist nicht leicht, den Zorn und die Trauer über das Geschehene zum Ausdruck zu bringen, die uns Mitglieder des Arbeitskreises Gedenken der Stadt Nienburg/Weser erfüllt. Wir rufen alle demokratisch gesinnten Bürger*innen auf, gemeinsam mit uns weiterhin Demokratie und Vielfalt als Wesensmerkmale unserer Gesellschaft zu schützen. 

Thomas Gatter

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1. September 1939 –

Beginn des Zweiten Weltkrieges

Vor 80 Jahren, am 1. September 1939, begann mit dem Überfall der Wehrmacht auf Polen der Zweite Weltkrieg. Unser Nachbarland sollte nach dem Willen Hitlers als “Generalgouvernement” unterjocht werden. Mit der Ermordung polnischer Intellektueller, Priester, Arbeiterführer und Juden war dies der Auftakt zum nationalsozialistischen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion und zum Holocaust. 

 

Einladung zur Gedenkstunde

für die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter 

des Zweiten Weltkrieges 

 

Samstag, 31. August 2019, 13:00 Uhr

 

“Erinnerungsort Anker”

 

am ehemaligen Zwangsarbeitslager

 

Lemker Straße 11, 31582 Nienburg

 

Mehr als 20 Millionen Menschen mussten während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeit für Deutschland leisten. Für das Ziel Hitlers, die Unterwerfung und Ausbeutung Europas, verschleppten die Deutschen Millionen Männer, Frauen und Kinder ins Reichsgebiet und nach Österreich. Auch in Nienburg wurden sie eingesetzt – in Rüstungsbetrieben ebenso wie auf Baustellen, in der Landwirtschaft, im Handwerk oder in Privathaushalten. Der „Erinnerungsort Anker“ markiert das Zwangsarbeitslager, das sich von 1941 bis 1945 an der Lemker Straße 11, dem ehemaligen Gelände des Reichsarbeitsdienstes, befand.

       
     
   
 
       
       
 

 

Warschau 1941, die SS lässt Menschen wahllos auf der Straße zusammentreiben, um sie zur Zwangsarbeit nach Deutschland zu verschleppen.

Tag der Menschenrechte 10. 12. 2018

Der Arbeitskreis Gedenken der Stadt Nienburg engagiert sich für eine Stadtgesellschaft der Vielfalt und Demokratie, für die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und ihre Folgen bis heute und für die Weiterentwicklung der Gedenkarbeit in Nienburg. Bei dieser Arbeit setzen wir uns mit vielen Aspekten von Menschenrechten und Menschenrechtsverletzungen in Vergangenheit und Gegenwart auseinander. Für diese Ausstellung haben wir beispielhaft zwei Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gewählt, die uns immer wieder beschäftigen: Artikel 5 und Artikel 21. 

Artikel 5

Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.

Es gibt genügend Fotos aus den KZs und Vernichtungslagern des NS-Terrors, welche die grausame Verfolgung und Vernichtung von Juden oder Sinti und Roma zeigen. Aber Folter und unmenschliche Behandlung waren Elemente des Alltags im Nationalsozialismus lange vor Beginn des Holocaust. Dieses Foto zeigt jüdische Menschen in Wien zur Zeit der Novemberpogrome von 1938, von Nazischergen gezwungen, den Bürgersteig zu schrubben. Die „normale“ Bevölkerung schaut zu.

 

Artikel 21

(1) Jeder hat das Recht, an der Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten seines Landes unmittelbar oder durch frei gewählte Vertreter mitzuwirken.

(2) Jeder hat das Recht auf gleichen Zugang zu öffentlichen Ämtern in seinem Lande.

(3) Der Wille des Volkes bildet die Grundlage für die Autorität der öffentlichen Gewalt; dieser Wille muss durch regelmäßige, unverfälschte, allgemeine und gleiche Wahlen mit geheimer Stimmabgabe oder einem gleichwertigen freien Wahlverfahren zum Ausdruck kommen.

2018 erinnern wir besonders an den Beginn des allgemeinen Wahlrechts in Deutschland vor hundert Jahren, insbesondere an die Einführung des Frauenwahlrechts. Diese wesentlichen Merkmale einer demokratischen Gesellschaft wurden durch das NS-Regime außer Kraft gesetzt. Aber nicht nur das, Juden und Sinti sowie anderen Verfolgten wurden die Mitwirkung an öffentlichen Angelegenheiten, der Zugang zu Ämtern und vielen Berufen und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ab 1933 verwehrt.

 

An diese und andere Menschenrechts-verletzungen wollen wir mit unserer Gedenkarbeit erinnern!

Wir wollen die Demokratie in Deutschland verteidigen und einen neuen Nationalsozialismus verhindern!

 

Info-Abend mit Vortrag und Ausstellung:

Naturfreundehaus, Luise-Wyneken-Straße 4

31582 Nienburg, 10. 12. 2018, 18 Uhr

Arbeitskreis Gedenken der Stadt Nienburg/Weser

Handlungsorientiertes Gedenken

Mahnmale und Erinnerungsorte

Geschichtsaufarbeitung

Beratung und Kommunikation

Gestaltung der Gedenktage

 

Projekte:

Forum des Gedenkens (27. Januar)

Mare dschunglesta tsiro (Erinnerung an die Verfolgung der Sinti, Roma und Jenischen)

Kooperationspartner: 

Nienburger Kulturwerk

Junges Forum gegen Antiziganismus